“Wir sind die 99 Prozent”

Von Felix Ertl

“Wir sind die 99 Prozent.” Diese Aussage war und ist seit September in allen Medien zu lesen, aber was verbirgt sich dahinter? Alles begann mit einem Aufruf zu einem weltweiten Protest, inspiriert vom arabischen Frühling und dem „Spanish Indignants Movement“ (spanische empörte Bewegung) für den 15.Oktober 2011. Das kanadische non-profit-Magazin „Adbusters“  griff diesen Aufruf auf und wandelte ihn bereits am 13. Juli 2011 in einen Aufruf zur friedlichen Besetzung der Wall Street um, mit der Absicht gegen den Einfluss von Konzernen in der Demokratie zu demonstrieren:

#OCCUPYWALLSTREET. Seid ihr bereit für einen Tahrir-Moment? Strömt am 17. September nach Lower Manhattan, baut Zelte, Küchen, friedliche Barrikaden und besetzt die Wall Street.

 

Umgesetzt wurde dies das erste Mal im new Yorker Zuccotti Park. Vorbild hierfür war die „Democracy Village“-Bewegung 2010 in London, bei der die Demonstranten vor dem britischen Parlament ein „demokratisches Dorf“ errichtet en. Noch binnen der Vorbereitungszeit bekräftigte die Internetgruppe Anonymous ihre Sympathie mit der Protestbewegung. Sie waren es auch die später, die den Aufruf starteten die Zelte direkt vor der Wall Street aufzubauen. Mit steigendem Medieninteresse wuchs auch die Teilnehmerzahl immer weiter. Schon bis mitte Oktober 2011 hatte sich die Bewegung auf 95 Städte in 82 Ländern ausgebreitet und zählt heute laut occupytogether rund 21.700 registrierte Revoluzer in mehr als 2530 Städten.


Qccupy-Aktivitäten weltweit (soweit auf Googlemaps eingetragen). Occupy Everywhere auf einer größeren Karte anzeigen.

Doch was sind das für Menschen? Occupy-Sympathisanten lassen sich nicht einfach zuordnen. Die Bewegung besteht sowohl aus Linken als auch aus Rechten und zum größten Teil aus bisher unpolitischen Menschen. Der Mob, der inzwischen Straßen belagert und in Parks kampiert umfasst ebenso Geringverdiener und soziale Verlierer wie auch Promovierte und sozial gefestigte Menschen. Sie alle richten sich gegen korrupte Beamte und Bankenchefs die ihnen ihren Lebensstil diktieren. Sie alle vereint der Wille auf Veränderung im System, das Verlangen nach “change”. Ein Wort das US-Präsident Barack Obama 2008 zum Aushängeschild seiner Wahlkampagne gemacht hatte. Die groß propagierten Veränderungen sind jedoch ausgeblieben.

Inspiert von den Systemstürzen in der arabischen Welt herrscht nun auch eine Brise Revolution in den “Financial Districts” von Amerika. Auf dem Micro-Blog “We Are the 99 Percent” werden Sympathisanten dazu aufgerufen ihre Geschichte und Beweggründe aufzuschreiben und zu veröffentlichen (siehe Info-Kasten). Das ganze soll zeigen was alles hinter dem Begriff “99%” steht.

Banken als Diktatoren

 

Unterstützt werden die Demonstranten ebenfalls von zahlreichen Persönlichkeiten und Organisationen. Neben Globalisierungsgegnerin Naomi Klein und Filmproduzent Michael Moore zeigten sich auch die Schriftsteller Salman Rushdie und Stéphane Hessel solidarisch zu den Menschen die gegen Korruption und ein verkorkstes Wirtschafts- und Bankensystem auf den Straßen protestieren.

Stéphane Hessel hatte erst im Oktober 2010 seine Protestschrift “Empört euch!” (Indignez-vous!) veröffentlicht, in der er die Menschen aufruft wieder vermehrt für ihre Interessen einzustehen und sich nicht von Regierungen und Großunternehmen einschüchtern zu lassen.

Vollkommen überraschend jedoch kam mitte Oktober 2011 die öffentliche Unterstützung einzelner US-Veteranen die sich zuvor in dem Verbund “Occupy Marines Corps” (OMC) zusammen geschlossen hatten. Nachdem es vermehrt zu einzelnen Fällen von übertriebner Polizeibrutalität gekommen war, sehen sie sich nun in der Pflicht die Demonstranten zu schützen.

Hier  US-Veteran Sgt. Shamar Thomas bei der Occupy Wall Street Bewegung in New York. Der Ex-Marine sorgte mit seinem Auftritt vor New Yorker Polizeibeamten für großes Aufsehen in den Medien.

Weitere Informationen: http://www.occupytogether.org/ | http://occupywallst.org/ | http://wearethe99percent.tumblr.com/

Bildmaterial: Flickr.com/shankbone

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Geschrieben von:

Felix Ertl
Felix Ertl

Der gebürtige Karlsruher ist mittlerweile nach Wien übergesiedelt um dort sein BWL Studium zu absolvieren und das Leben mit viel Kultur im internationalen Umfeld zu genießen. Vor Autark schrieb er bereits für den ehemaligen OpenBlog "Denke selbst.".

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