Indignez-vous! Eine Schrift verändert die Welt

Von Sven Foligowski

Indignez-vous! – Empört euch! Es ist ein Titel der eindringlich ist, eine Botschaft die hängen bleibt. Gleichzeitig ist sie der Name der Streitschrift des ehemaligen französischen Politikers Stéphane Hessel. Die Aufmachung ist schlicht gehalten, doch besitzt ihr Inhalt enorme Sprengkraft. Binnen eines Jahres verbreitete sich die Schrift über den gesamten Globus. Sie gilt zudem als Grundlage des neuen Widerstandes, des zivilen Ungehorsams. Nicht nur der Arabische Frühling wird mit diesem Text in Zusammenhang gebracht, auch die Wurzeln der Occupy-Bewegung finden ihren Ursprung in dem 2010 publizierten Text.

Hessel klagt darin die Gesellschaft an, ihre Mittel zweckentfremdend einzusetzen und dadurch eine wachsende Kluft zwischen arm und reich in Kauf zu nehmen. Banken und Geldinstitute dienen nicht mehr dem Wohl des Volkes, sondern lediglich einigen mächtigen Männern. Zunehmend würde es schwerer trotz Arbeit einen würdigen Sozialstandard zu halten.
[blockquote]„Man wagt uns zu sagen, der Staat könne die Kosten dieser sozialen Errungenschaften nicht mehr tragen. Aber wie kann heute das Geld dafür fehlen, da doch der Wohlstand so viel größer ist als zur Zeit der Befreiung […]. Doch nur deshalb, weil die Macht des Geldes – die so sehr von der Résistance bekämpft wurde – niemals so groß, so anmaßend, so egoistisch war wie heute, mit Lobbyisten bis in die höchsten Ränge des Staates.“ S.9[/blockquote]
Der französische Widerstandskämpfer erinnert auch an die Zeit des Nationalsozialismus. Die deutsche Besatzung und die Regierung von Vichy bildeten klare Feindbilder gegen die die jungen Menschen vorgehen konnten. Heute sei hingegen vieles unübersichtlich geworden, in der Konsumwelt muss Unrecht regelrecht gesucht werden. Jugendliche demonstrieren nicht mehr sondern verbringen die Zeit lieber vor Videospielen. Die immer größer werdende Einschränkung des Individuums wird als normale Entwicklung der Gesellschaft hingenommen. Politisches Engagement ist für viele unserer Generationen ein Fremdwort geworden.

[slogan]Das Schlimmste ist die Gleichgültigkeit[/slogan]
Doch warum sehen wir nicht mehr was vor unseren Augen passiert? Warum interessiert es uns nicht mehr dass wir unserer Rechte bestohlen und belogen werden? Die Menschen sind träge und faul und die Welt von heute ist zu komplex und undurchschaubar geworden.  Hessel beteuert trotzdem:

[blockquote]„Seht euch um, dann werdet ihr Themen finden, für die Empörung sich lohnt – die Behandlung der Zuwanderer, der in die Illegalität Gestoßenen […]. Ihr werdet auf konkrete Situationen stoßen, die euch veranlassen, euch gemeinsam mit anderen zu engagieren. Suchet und ihr werdet finden!“ S.15[/blockquote]
Wichtig sei es sich mit Hilfe der zur Verfügung stehenden Kommunikationsmittel zu vernetzen. Eben dies wurde und wird bei den oben genannten Beispielen auch getan. Wichtige Schlagworte seien hier Facebook, Twitter und Tumblr.

Stéphane Hessel betont ebenso dass es darauf ankomme gewaltlos für seine Interessen einzutreten. Nur so könne es im Nachhinein zu Versöhnung kommen und ein gemeinsamer Frieden geschlossen werden. Gewalt  in welcher Form auch immer, sei immerzu auch ein Scheitern der Hoffnung, der Träger der Empörung und Verbesserung.

[infos]Stéphane Hessel, Sohn des Schriftstellers Franz Hessel, wurde 1917 in Berlin geboren. 1924 zog er mit seinen Eltern nach Paris; seit 1937 ist er französischer Staatsbürger. Ab Oktober 1945 war er Vertreter Frankreichs bei den Vereinten Nationen in New York, 1948 Mitverfasser der Charta der Menschenrechte. Anschließend bereiste er im Auftrag der UNO und des französischen Außenministeriums als Diplomat die Welt; der französische Staat verlieh ihm den Titel »Ambassadeur de France«. Stéphane Hessel lebt in Paris. Quelle: Ullstein Autoreninformation[/infos]

Bildmaterial: Flickr.com/corinnelepage | Autark

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Geschrieben von:

Sven Foligowski
Sven Foligowski

Als Chefredakteur und Gründervater sorgt der gebürtige Berliner für Ordnung in der Schreibwerkstatt von Autark. Bevor er sich entschloss das Onlinemagazin Autark zu gründen, betrieb der Bamberger Student den OpenBlog "Denke selbst."

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